Hochzeitsbräuche und Rituale

Eine Braut soll an ihrem Hochzeitstag etwas Altes, etwas Neues, etwas Blaues und etwas Geborgtes tragen.

Dies ist nur ein Beispiel von einem überlieferten Hochzeitsbrauch mit welchen man einige Seiten füllen könnte. Auch sind sie von Ort zu Ort verschieden. In meinem Büchlein „Übers Heiraten im Bayrischen Wald“ könnt ihr auch einiges über Hochzeitsbräuche und mehr darüber erfahren.

Hier noch ein paar der wichtigsten Bräuche und Rituale die der Reihe nach zum Ablauf einer bayrischen Hochzeit passen.

Polterabend

Der Polterabend ist ein sehr alter Brauch, der vermutlich noch aus der vorchristlichen Zeit stammt. Durch das Zerschlagen von Steingut und Porzellan sollen böse Geister vertrieben werden. Keinesfalls darf Glas zerschlagen werden, da es als Unglückssymbol gilt. Die Scherben müssen vom künftigen Brautpaar zusammengekehrt werden um ab jetzt das gemeinsame Zusammenarbeiten zu demonstrieren. In der Regel wird der Polterabend eine Woche vor der Hochzeit organisiert.  Alternativ oder nebenbei gibt es noch den Junggesellenabschied den die Brautleute getrennt mit ihren Freunden feiern.

 

Einladen zur Hochzeit

Das Einladen der Gäste beginnt ca. drei bis vier Monate vor der Hochzeit. Dazu lässt sich das ang. Brautpaar Einladungskarten drucken oder bastelt selber welche.  Das Einladen ist oft eine feuchte Angelegenheit, den des öfteren wird mit Alkoholika auf das künftige Brautpaar angestoßen. In manchen Gegenden ist beim Einladen der näheren Verwandtschaft  auch der Hochzeitslader mit dabei.

 

Hochzeitszug

Ein Hochzeitszug bringt die Hochzeitsgesellschaft gleich in Festtagsstimmung. Dabei ziehen alle Gäste in einer vorgegebenen Reihenfolge in die Kirche oder von der Kirche ins Hochzeitslokal. Der Hochzeitszug wird meist von der Musikkapelle und dem Hochzeitslader angeführt, gefolgt von möglichen Vereinen. Vor dem Brautpaar gehen Blumenkinder und weitere Kinder mit Ringkissen und Kerze. Hinter dem Brautpaar marschieren Kranzljungfrauen oder Kranzlpaar, Trauzeugen, Ehrenmutter, Ehrenvater, Eltern, Geschwister, Verwandte, Freunde und weitere Gäste Auch nach dem Brautstehlen ist ein Hochzeitszug ein Stimmungsevent.

Einzug in die Kirche bzw. Standesamt

Vor dem Einzug in die Kirche hält der Hochzeitslader eine kurze Begrüßung und bittet dann die Gäste in die Kirche.Es gibt mehrere Möglichkeiten des Brauteinzugs. Zumeist zieht das Brautpaar gemeinsam in die Kirche ein, nachdem sie vom Priester am Eingang begrüßt wurden. Der Bräutigam geht rechts, die Braut links. Nach der Trauung bleibt die Braut auf ihrer Seite und ist beginnend mit dem Auszug immer auf der rechten Seite des Bräutigams. 

Der Brautvater führt die Braut zum Altar: Während sich die Gäste und der Bräutigam schon in der Kirche eingefunden haben, wird die Braut begleitet von Blumenkindern und Orgelmusik von ihrem Vater zum Traualtar gebracht und dem Bräutigam übergeben. Diese Form wird aber nicht von allen Geistlichen gern gesehen. Das Brautpaar kann auch von Brautführer und Kranzljungfrau oder von den Trauzeugen zum Traualtar begleitet werden.

Ringe und Brautkerze:

Zwei der wichtigsten Utensilien einer Hochzeit sind Trauringe und Brautkerze. Sie werden meist von Kindern die vor dem Brautpaar gehen getragen und auf den Altar gelegt.

Brautstrauß

Der Brautstrauß hat bei der Hochzeit mehrere Funktionen. Zum Brautschmuck ist der Brautstrauß unerlässlich und wird neben Ringe und Kerze auf den Altar oder eine bereitgestellte Vase gegeben. Der Brautstrauß spielt auch eine wichtige Rolle bei der Brautentführung und wird schließlich am Abschluss der Hochzeit geworfen oder weitergegeben um die unverheiratete Frau zu finden, die als nächstes heiraten wird.

Spalier stehen und Baumstammsägen

Beim Verlassen des Standesamtes oder der Kirche stehen oft Vereine oder Freunde Spalier um dem Brautpaar zu gratulieren. Manchmal kommen dann auf das Brautpaar gleich einige Aufgaben zu die es bewältigen muss. Eine davon ist z.B. das Baumstammsägen. Dabei muss das Brautpaar einen vorbereiteten Baumstamm mit einer Baumsäge auseinanderschneiden. Dabei kommt es darauf an, dass abwechselnd gezogen und entlastet wird um die Säge nicht zu verkeilen. Der Brauch steht für Zusammenhalt und Gleichberechtigung in der Ehe.

Wegezoll

Kinder des Ortes versperren nach der Trauung die Straße mit Hilfe einer Schnur und verlangen Zoll in Form von Geld und Süßigkeiten.

Gratulieren und Sektempfang

Das Gratulieren nach dem Ja-Wort kann gleich nach der Trauung erfolgen oder auch erst beim Sektempfang im Hochzeitslokal.

Sitzplan

Um eine Übersicht zu haben ob alle Gäste Platz haben und wer wo sitzen soll, ist es ratsam einen Sitzplan für Gäste und Brauttisch zu erstellen.

Hochzeitstorte

Das Brautpaar schneidet die Hochzeitstorte gemeinsam an. Auch das soll die Zusammenarbeit und Einigkeit in einer harmonischen Ehe symbolisieren. Wer dabei die Hand oben auf hat, der wird – so wird gemunkelt – auch in der Ehe das Sagen haben.

Schenken

Das Beschenken des Brautpaares gibt es auch in vielerlei Formen.   Dazu wird am Brauttisch eine Schüssel mit einem weißen Tuch darüber oder eine Geschenkebox aufgestellt. Für die Verwaltung des Schenkgeldes und der Geschenke sind die Ehrenmutter (Taufpatin oder Tante der Braut) oder die Trauzeugen zuständig. Die Gäste werden vom Hochzeitslader oder der Musik aufgerufen und musikalisch zum Brauttisch geleitet. Die Gäste überreichen ihr Geschenk und stoßen mit einem bereitgestellten Glas Wein auf das Brautpaar an. Auch für die Musikanten und den Hochzeitslader steht meist ein Teller fürs Trinkgeld auf dem Tisch. Dafür hat der Hochhzeitslader für jeden Gast ein lustiges Gstanzl parat.

Brautstehlen

Meist nach dem Kaffee – manchmal auch erst nach dem Abendessen- wird die Braut bei einem Tanz meistens von Eingeweihten entführt. Die Entführung geht meist in eine Weinstube des Wirtshauses oder in ein anderes Lokal oder Nebengebäude.  Nachdem der Großteil der Hochzeitsgesellschaft bereits der Braut gefolgt ist, wird der Bräutigam etwas später, manchmal auch von Freunden verkleidet mit musikalischer Begleitung hereingespielt.  Wurde ihm auch noch der Brautstrauß geklaut, so muss er diesen auslösen und zwar in Form von Wein, Schnaps oder das Versprechen anderer Aufgaben. Hat er den Brautstrauß ausgelöst um ihn seiner Braut zu überreichen, muss er vorher noch einige Aufgaben bewältigen um seine Braut zurück zu bekommen. Dazu gehören zum Beispiel das Holzscheitl-knien oder das Aufzählen von Kosenamen für seine Angetraute. Letztendlich bekommt der Bräutigam seine Braut zurück und es wird dann ausgelassen geschunkelt, geklatscht und gefeiert.

Einlagen und Spiele

Zur Aufheiterung und Unterhaltung sind Einlagen oft eine willkommene Abwechslung vom tanzen oder zur Überbrückung von Musikerpausen. Es sollten aber nicht zu viele sein und nicht zu lange dauern. Sinnvoll ist auch eine vorherige Absprache mit Hochzeitslader oder Musik.

Hochzeitszeitung

Auf vielen Hochzeiten gibt es eine Hochzeitszeitung zu erwerben, in der einiges über den Lebenslauf sowie Stärken und Schwächen der Brautleute zu erfahren ist. Meist werden sie von Freunden oder Geschwistern zusammengestellt.

Gruppenfoto

Ein Gruppenfoto ist eine schöne Erinnerung an jede Hochzeit. Die Gäste stellen sich auf einer Treppe oder Gerüst auf oder der Fotograf fotografiert vom Fenster oder Balkon aus nach unten.

Fotobox

Wird gerne bei Hochzeiten angenommen. Die Gäste können selber Fotos von sich oder in der Gruppe machen und sich dabei ev.maskieren.

Gästebuch

Jeder Hochzeitsgast soll sich im Gästebuch eintragen eventuell mit einer Widmung oder einem Gedicht.

Abschlusstanz

Zum Abschluss einer Hochzeit gehört der Brauttanz zu einem vorher mit der Musikkapelle abgesprochenem Lied. Die noch anwesenden Gäste bilden einen Kreis um das Brautpaar, das Licht wird gedimmt um die romantische Stimmung zu erhöhen und die Gäste können ev. Wunderkerzen entzünden.  Nach ein paar Abschlussdankesworten wird der Brautstrauß oder ein Ersatzstrauß weitergegeben oder geworfen um die nächste Braut zu ermitteln.

Mahlgeld

Bei vielen Hochzeiten musste früher das Hochzeitsessen von den Gästen selber bezahlt werden. Das Mahlgeld wurde dann vom Wirt und Hochzeitslader nach dem Essen eingesammelt. Heute ist bis auf einige Gegenden fast überall das Essen und oft auch das Trinken frei.

Brautführer / Kranzljungfrau

In manchen bayerischen Gegenden gibt es außer dem Hochzeitslader noch einen weiteren Herrn mit geschnitztem Stock und Bändern. Er hat die Aufgabe die Braut beim Hochzeitszug bis zur Kirchenschwelle zu führen. Es ist in der Regel ein Verwandter oder Freund des Brautpaares,der auch bei der Feier für Stimmung sorgen soll. Sein Gegenpart ist die Kranzljungfrau. Zusammen auch oft das Kranzlpaar genannnt.

Haben sie noch eine frage?